Predigt zum Dritten Advent A (Jakobusbrief 5, 2-10)
In der heutigen Lesung ruft der Apostel Jakobus zu einer Haltung auf, die eminent wichtig ist, damit das Leben und das Christsein gelingen:
GEDULD.
Geduld heißt das Zauberwort!
„Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein“ (Jak 5, 7-8).
Mit einem Verweis auf die Natur erklärt der Apostel, was Geduld heißt:
Geduld heißt: Warten können, warten können im sicheren Wissen, dass die Dinge so wachsen und heranreifen wie Gott es will.
Der Halm wächst nicht schneller, wenn man ungeduldig an ihm zupft…
Alles in der Natur braucht die ihm von der Schöpfungsordnung zugewiesene Wachstumszeit – dann aber kommt auch zur rechten Zeit die Frucht.
So ist es mit allem im Leben. Alles braucht seine Zeit, seine Wachstumszeit. Eltern erleben das doch ganz elementar beim Aufwachsen der Kinder, wie man auf eine Entwicklungsstufe nach der andern wartet… Und sie erleben auch, wie jedes Kind unterschiedlich ist, seine eigene Zeit hat. Und wenn manche Kinder länger brauchen: Nur keine Panik, irgendwann ist alles da!
Und so ist es eben auch im Reich Gottes. Auch hier ist nicht alles sofort und auf Kommando da, sondern es wächst, aus kleinsten und unscheinbarsten Anfängen – denken wir an das Gleichnis vom Senfkorn – aber einmal wird es da sein, in seiner Vollgestalt. Da können wir sicher sein.
Nur: jetzt ist noch nicht die Zeit der Ernte, sondern die Zeit der Aussaat.
Und deshalb heißt es: Geduld haben, warten können, dass am Ende alles so kommt, wie Gott es geplant und verheißen hat. Und nicht verzweifeln über das, was jetzt noch fehlt und unvollkommen ist.
Zur Tugend der Geduld gehört auch die Duldsamkeit gegenüber dem Nächsten.
„Klagt nicht übereinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Jak 5, 9).
So oft hören wir diese Mahnung in der Hl. Schrift. Wahrscheinlich, weil wir sie besonders nötig haben. „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat“, sagt Paulus im Römerbrief (15.7) und führt es an anderer Stelle aus: „Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld. Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr“ (Kol 3, 12-13).
Zum Unperfekten und Unerlösten der Jetztzeit gehören auch und vor allem die Schwächen und Fehler und Mängel von uns Menschen.
Deshalb braucht es Duldsamkeit (oder Toleranz, vom lateinischen „tolerare“ = „ertragen“..). Die anderen, so wie sie eben sind, tragen und ertragen, so wie die anderen auch mich ertragen müssen…
Wiederum ein Schlüsselwort der Lebenskunst und des Christseins, wobei sich meiner Erfahrung nach manchmal gerade auch gläubige Menschen damit schwer tun..
Wie sagt Wilhelm Busch, der Autor von „Max und Moritz“?
„Ein guter Christ ist stets bedacht
auf das, was andre falsch gemacht“.
Ja, Hand aufs Herz, das ist uns nicht ganz fremd… Aber ist diese Taktik sinnvoll?
Meinen wir, wir könnten die anderen ändern und verbessern? Wir können ja kaum uns selbst zum Bessern ändern… Also lassen wir es doch mit den Erziehungsversuchen bei Menschen, die das Erwachsenenalter erreicht haben, lassen wir es mit den – wieder mit Wilhelm Busch zu reden – „weisen Lehren, die gut gemeint, doch bös zu hören“..
Besser wäre es, wenn wir nicht nur immer auf das fixiert wären, was uns stört, sondern das sehen, was gut ist, und wenn wir das auch anerkennen würden. Eine „Kultur der Wertschätzung“ wäre heilsam.
Gott ist doch auch so. „Gott gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf“, lesen wir am Anfang des Jakobusbriefs (1,5).
Könnten wir das von unserem Gott lernen? Die ewigen Vorwürfe lassen? Es wäre befreiend, für uns und die anderen.
Mögen Hoffnung, Geduld und Duldsamkeit in uns allen wachsen und unser Leben hell machen. Und auch wenn Weihnachten dann ganz bestimmt nicht perfekt ist, dann kann es doch ein fröhliches Weihnachten sein. Und das wünsche ich uns allen an diesem Sonntag „Gaudete“.